Bauen und investieren in der Hotellerie – wirklich 1:0 für Südtirol?

Bauen - Investieren
Bauen und investieren in der Hotellerie – wirklich 1:0 für Südtirol?
Bauen - Investieren Hotellerie

Markus Hirschhuber
Berater
Innsbruck, Österreich
markus.hirschhuber@kohl-partner.at+43 512 214315+43 664 1229064Zum AutorIm vergangenen Herbst war die Zurückhaltung noch deutlich spürbar. Viele Hotels verharrten an der Seitenlinie und wollten zunächst abwarten, wie sich die Wintersaison entwickelt, bevor eine Entscheidung über die nächste größere Investition getroffen wird. Rund sechs Monate nach der letzten Umfrage der Tourismusberatung Kohl > Partner zeigt sich nun ein spürbarer Stimmungsumschwung: Die Saison hat Klarheit gebracht und in zahlreichen Betrieben wurden geplante Projekte inzwischen konkretisiert oder bereits fixiert.
„Die gestiegene Nachfrage führt nun vermehrt zu längeren Verfahrensdauern und eingeschränkten Kapazitäten bei ausführenden Unternehmen. Gerade in dieser Phase empfiehlt es sich, die Auswahl der Umsetzungspartner mit besonderer Sorgfalt zu treffen, um Qualität zu sichern und überzogene Kosten zu vermeiden“, empfiehlt Markus Hirschhuber von Kohl > Partner.
Planten nach der Sommersaison 2025 noch 17 % der Hoteliers fix zu investieren, sind es aktuell bereits 28 %. Gleichzeitig ist der Anteil jener Betriebe, die ein geplantes Projekt als nicht realisierbar einschätzen, von 23 % auf 13 % gesunken. Einmal mehr bestätigt sich: Der Winter bleibt für viele touristische Betriebe im Alpenraum der zentrale Cashflow-Bringer. Liquidität schafft Handlungsspielraum und dieser mündet unmittelbar in Investitionsbereitschaft. 29 % der Betriebe sind weiterhin unsicher und befinden sich derzeit noch in der Findungsphase.

Inhaltlich zeigt sich bei den genannten Investitionshürden ein differenziertes Bild. Konstant hoch bleiben weiterhin die Projektkosten, welche von mehr als der Hälfte der Befragten genannt werden, ebenso wie Marktunsicherheit und Finanzierungsfragen. Deutlich stärker in den Vordergrund gerückt sind jedoch lange Genehmigungsverfahren sowie begrenzte Firmenverfügbarkeiten.

Hier zeigt sich ein klassisches Marktphänomen: Nach einer starken Wintersaison steigt die Investitionsdynamik vieler Betriebe nahezu zeitgleich an. Unternehmen, die ihre Projekte bereits vor Saisonbeginn vergeben haben, sichern sich frühzeitig Kapazitäten. Wer hingegen erst nach einer erfolgreichen Saison startet, trifft auf ausgelastete Planer, Bauunternehmen und Genehmigungsstellen.
Dieses Muster ist mit einem Effekt vergleichbar, der in der Betriebswirtschaftslehre als Bullwhip-Effekt beschrieben wird: Bereits moderate Nachfrageimpulse können entlang der Wertschöpfungskette überproportionale Ausschläge verursachen. Übertragen auf die Hotellerie bedeutet das: Wenn viele Betriebe gleichzeitig investieren wollen, steigen Wartezeiten, Preise und Koordinationsaufwand deutlich stärker als die ursprüngliche Nachfrage vermuten ließe.
Gerade in einem Umfeld begrenzter Kapazitäten gilt, nicht um jeden Preis und nicht unter Zeitdruck zu investieren.
Statt kurzfristig ins Projekt zu starten, sollten Betriebe nun gezielt die richtigen Partner für Planung, Baumanagement und Umsetzung auswählen. Denn bereits für eine reine Vorplanung ohne Baumanagement werden teilweise bis zu 3 % des Bauvolumens verrechnet.
Diese Summe ist nur dann gut investiert, wenn:
Andernfalls entstehen erhebliche Vorlaufkosten noch bevor eine Genehmigung vorliegt oder die Finanzierung final gesichert ist.
Mit dem Ende der Wintersaison steigt die Investitionsbereitschaft spürbar. Liquidität schafft Zuversicht und Projekte werden wieder konkret. Neben Projektkosten und Finanzierungsfragen rücken jedoch nun verstärkt Firmenverfügbarkeiten und Behördenkapazitäten in den Fokus. Wer heute investiert, konkurriert mit vielen anderen um dieselben Ressourcen. Bevor also „heiter drauflosgeplant“ wird, ist die strategische Auswahl des richtigen Partners für Planung und Baumanagement ein kritischer Erfolgsfaktor. Denn in dieser Phase entstehen bereits relevante Kosten, oft noch ohne baurechtliche Sicherheit. Investitionsbereitschaft ist ein positives Signal. Entscheidend bleibt jedoch, sie strukturiert, realistisch und mit den richtigen Partnern umzusetzen.