Destination  Innovation & Produktentwicklung  Organisation 

Erstellt: 01.01.2026
uservon Stephanie Zorn
MA Stephanie Zorn

Stephanie Zorn, MA

Beraterin

Villach, Österreich

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Wie die neue Bad Abbach Info zum Impulsgeber gegen Leerstand wurde

Wie kann ein einst stolzer Kurort wieder Leben in seinen verwaisten Ortskern bringen? Bad Abbach liefert die Antwort: Mit einer Tourist Information, die nicht am Rande verwaltet, sondern als neuer Frequenzbringer im Zentrum inszeniert wird. Nach drei Jahren Planungs- und Bauzeit zeigt das Projekt, wie strategische Tourismusentwicklung zum wesentlichen Treiber für weniger Leerstand und mehr Lebensqualität werden kann.

Die Ausgangslage: Wenn das Herz der Region ins Stolpern kommt.

Auf dem Papier verfügt Bad Abbach über beste Voraussetzungen: Ein Kurort vor den Toren Regensburgs, direkt am Donauradweg, mit eigener Therme und reicher Geschichte. Doch der Ort teilt sein Schicksal mit vielen ländlichen Destinationen: Während an der Peripherie neue Siedlungsgebiete und Einkaufsmöglichkeiten entstanden, blutete der historische Ortskern aus. Das Leben verlagerte sich nach außen und mit jedem neuen Leerstand nahmen auch die Gründe ab, das Zentrum überhaupt noch zu besuchen.

Die strategische Analyse im September 2022 – damals noch im Jugendtreff am Billardtisch improvisiert – brachte die Kernfrage auf den Punkt:

Wie attraktiv kann eine Region für Einheimische und Gäste sein, wenn ihr eigenes Herz nicht mehr schlägt?

Bürgermeister und Gemeinderat entschieden sich für einen mutigen Schritt: Die Tourist Information (TI) sollte raus aus dem Kurhaus und rein in einen markanten Leerstand mitten in der Fußgängerzone. Das Ziel war also keine reine Verwaltungsstelle, sondern ein echter Impulsgeber für das Marktgebiet.

Der Ansatz: Strategie trifft Inszenierung.

Für die Umsetzung setzte Bad Abbach auf eine enge Verzahnung von strategischer Beratung (Kohl > Partner) und räumlicher Inszenierung (erlebnisplan). Ein reines „Hübsch-Machen“ reichte hier nicht aus. Es ging darum, grundlegende Funktionen neu zu denken:

  • Vom Schalter zum Erlebnisraum: Wegfall der klassischen Barriere zwischen Gast und Mitarbeiter.
  • Identitätsstifter: Eine thematisierte Gestaltung, die die DNA von Bad Abbach (Wasser, Geschichte, Erholung) spielerisch erlebbar macht.
  • Begegnungszone: Die TI fungiert nun als Schnittstelle zwischen Einheimischen, Gästen und Wirtschaft.

Das Ergebnis: Ein Domino-Effekt für die Standortentwicklung.

Im November 2025 konnte die „Bad Abbach Info“ final eröffnet werden. Das Projekt beweist, dass kommunale Infrastrukturprojekte weit mehr als nur touristische Effekte haben können. Die drei wichtigsten Ergebnisse aus Beratersicht:

1. Die TI als taktgebendes Instrumentarium.
Die neue TI ist nicht nur Anlaufstelle für Prospekte, sondern ein „Dritter Ort“, der Aufenthaltsqualität bietet. Durch die zentrale Lage am Wochenmarkt werden Synergien genutzt, die Frequenz in der Fußgängerzone steigt messbar.

2. Ein starkes Zeichen für Investoren.
Besonders erfreulich ist die direkte wirtschaftliche Auswirkung auf die Umgebung: Noch am Tag der Eröffnung wurde bekannt, dass der große Leerstand direkt gegenüber von einem regionalen Investor erworben wurde. Hier entstehen nun ein Planungsbüro und Ferienunterkünfte. Ein öffentliches Investment hat somit erfolgreich privates Kapital mobilisiert.

3. Organisationsentwicklung „On the Job“.
Parallel zum Bau wurde das Team neu formiert. Ein eigens geschaffenes Sachgebiet für Tourismus, Marketing und Kurwesen bündelt nun die Kompetenzen. Ab 2026 wird zudem ein Markt-Manager als geförderte Koordinationsstelle eingesetzt, um die Leerstandsbelebung langfristig zu sichern.

Persönlicher Einblick: Warum Inszenierung kein Luxus ist.

Barbara Wieben, Leiterin für Tourismus, Marketing und Kurwesen in Bad Abbach, begleitete den Prozess von der ersten Stunde an. Auf die Frage, warum das Thema Inszenierung von Beginn an zentral war, antwortete sie im Projektverlauf:

„Wir haben hier viel touristisches Potenzial – wie etwa den Heinrichsturm mit dem Burgberg, die Donau, die Freizeitinsel, die Kaiser-Therme und den Kurpark. Aber dazu wir müssen es schaffen, aus all dem ein gesamtes ‚Erlebnis Bad Abbach‘ zu machen. Und genau dafür hat der Prozess rund um die Neuausrichtung der Bad Abbach Info den Grundstein gelegt.“

Das Fazit: Mut zur Mitte lohnt sich.

Das Projekt Bad Abbach zeigt: Wer Leerstand im Ortskern bekämpfen will, darf Tourismus nicht isoliert betrachten. Die Verlagerung der TI ins Zentrum war kein einfaches Bauprojekt, sondern eine strategische Entscheidung zur Lebensraumentwicklung.

Für andere Gemeinden lässt sich ableiten:

  • Standortwahl ist Strategie: Infrastruktur muss dort sein, wo Menschen sich begegnen sollen.
  • Geduld zahlt sich aus: Für nachhaltige Impulse braucht es Mut und Geduld. So wie in diesem Fall drei Jahre, bis die ersten Besucher die Bad Abbach Info mit Leben gefüllt haben.
  • Prozesse koppeln: So kann die Phase der baulichen Veränderung parallel für eine interne Neuorganisation genutzt werden.
  • Fördermöglichkeiten nutzen: Auch wenn oft viel administrativer Aufwand dahintersteckt: Ohne die passenden Förderungen und öffentlichen Mittel wäre der Impuls so nie möglich gewesen.


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