PR im Zeitalter von KI

Hotellerie
PR im Zeitalter von KI
Marketing Hotellerie Künstliche Intelligenz

BSc. Stephan Raffeiner
Berater
Südtirol, Italien
stephan.raffeiner@kohl-partner.it+43 664 4669659Zum AutorBei der Urlaubsplanung formulieren Gäste ihre Wünsche zunehmend als sog. Prompts an Google, ChatGPT und andere KI-Systeme. Für ein Familienhotel ergab sich daraus eine zentrale Frage: Wird das Haus auch Gästen empfohlen, die es noch nicht kennen?
Um das herauszufinden, wurde die Sichtbarkeit bei ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet. Insgesamt wurden 120 Antworten in laufenden Scans ausgewertet. Dabei ging es nicht nur um Erwähnungen, sondern auch darum, bei welchen Themen das Hotel auftauchte, welche Wettbewerber genannt wurden und ob die Angaben in den Antworten korrekt waren.
Die Prompt-Simulation orientierte sich an drei Bausteinen: typischen Gäste-Personas, relevanten Urlaubsthemen und der Region. Aus diesen Kombinationen entstanden realistische Suchsituationen entlang der Reiseplanung. Die Methode kommt bewusst ohne komplexes Prompt-Decoding aus und lässt sich dadurch einfach wiederholen und über längere Zeit vergleichen.

Über alle ausgewerteten Antworten hinweg wurde das Hotel in 21,7 Prozent der Fälle erwähnt:
Die Unterschiede zwischen den Systemen waren deutlich. Noch wichtiger war jedoch die Art der Anfrage: Sobald der Name des Hotels bereits vorkam, wurde der Betrieb zuverlässig erkannt. Bei allgemeinen Fragen ohne Namensnennung war die Sichtbarkeit wesentlich geringer.
Das Muster ist aus der Suchmaschinenoptimierung bekannt: Gute Sichtbarkeit für den eigenen Markennamen bedeutet noch nicht, dass eine Website auch bei allgemeinen Suchanfragen potenzieller Gäste gefunden wird. Genau dort beginnt aber häufig die Entscheidung für ein Hotel.
Die Auswertung zeigte drei Bereiche, in denen Angebot und digitale Sichtbarkeit nicht zusammenpassten:
Das Hotel erfüllte viele der gesuchten Kriterien. Auf der Website waren die Informationen jedoch teilweise auf mehrere Seiten verteilt, zu allgemein formuliert oder nicht konkret genug. Für Suchmaschinen und KI-Systeme war deshalb nicht immer eindeutig, dass das Haus zu der jeweiligen Anfrage passt.
Bei den Ferienwohnungen fehlte vor allem eine Seite, die Angebot, Zielgruppe und Standort klar zusammenführt. Aus SEO- und GEO-Sicht sollte eine solche Seite die wichtigsten Fragen direkt beantworten: Wo liegt die Unterkunft? Für wie viele Personen ist sie geeignet? Welche Ausstattung ist vorhanden? Was macht sie für Familien besonders?
Angaben zu Größe, Betten, Küche, Balkon oder Spielmöglichkeiten gehören dabei in den sichtbaren Text und nicht nur in Icons oder Bildergalerien. Eine klare Hauptüberschrift, aussagekräftige Zwischenüberschriften und interne Links von passenden Seiten helfen zusätzlich bei der Einordnung.
Wellness und Familienangebote waren auf der Website getrennt dargestellt. Dadurch blieb der Zusammenhang zwischen beiden Themen schwach.
Sinnvoller ist eine Seite, die das gemeinsame Angebot konkret beschreibt: Welche Bereiche dürfen Kinder nutzen? Gibt es Familienzeiten? Wie groß und warm ist der Pool? Welche Rückzugsmöglichkeiten gibt es für Erwachsene? Und welche Angebote gelten nur in bestimmten Saisonen?
Solche Fakten sind für Gäste hilfreicher als allgemeine Werbeaussagen. Gleichzeitig schaffen sie eine klare thematische Relevanz – ein Grundprinzip guter SEO-Arbeit, das auch für die Auffindbarkeit in KI-Systemen wichtig ist.
Auch bei klassischen Fragen rund um den Familienurlaub fehlten teilweise eindeutige Angaben. Eine zentrale Familienseite sollte deshalb Informationen zu Zimmern, Altersgruppen, Betreuung, Aktivitäten, Kosten und Zeiten bündeln.
Kurze Antworten auf häufige Gästefragen können die Seite ergänzen. Entscheidend ist, dass sie echte Informationen liefern und nicht lediglich bekannte Werbebotschaften wiederholen. Jede Frage, die im Sichtbarkeitstest unbeantwortet blieb, ist dabei ein möglicher Ansatzpunkt für einen neuen oder verbesserten Inhalt.
Der begleitende Website-Check zeigte weitere Lücken. Auszeichnungen und Gütesiegel waren kaum sichtbar, aktuelle Datumsangaben fehlten weitgehend und Informationen zu Zimmern und Angeboten waren nur teilweise strukturiert hinterlegt. Auch die interne Verlinkung konnte an einigen Stellen klarer sein.
Aus SEO-Erfahrung gilt: Inhalte wirken besser, wenn Suchmaschinen sie leicht erreichen, eindeutig zuordnen und als aktuell und vertrauenswürdig bewerten können. Das gilt zunehmend auch für KI-Systeme, die Websites als Informationsquelle heranziehen.
Der erste Schritt ist nicht, möglichst viele neue Texte zu produzieren. Wichtiger ist eine Bestandsaufnahme: Welche Fragen stellen potenzielle Gäste? Welche davon beantwortet die Website bereits klar? Und auf welcher Seite findet sich die beste Antwort?
Danach sollten die wichtigsten Themen gebündelt, fehlende Fakten ergänzt und zusammengehörige Seiten sinnvoll verlinkt werden. Die Entwicklung lässt sich anschließend mit einem festen Fragenkatalog weiter beobachten. Neben der Zahl der Erwähnungen zählt dabei auch, ob die Antworten korrekt sind und auf die passenden Inhalte verweisen.
Das Beispiel bestätigt ein Muster, das aus der SEO-Praxis vertraut ist: Die eigene Sichtbarkeit wird leicht überschätzt, weil ein Hotel bei Suchen nach dem eigenen Namen gut erscheint. Die größere Chance liegt jedoch bei allgemeinen Fragen von Gästen, die noch keinen konkreten Betrieb im Blick haben.
Genau diese unbeantworteten Fragen zeigen, welche Inhalte fehlen oder klarer aufgebaut werden müssen. Wer sie konkret beantwortet, verbessert nicht nur die klassische Auffindbarkeit, sondern erhöht auch die Chance, von KI-Systemen als passende Empfehlung berücksichtigt zu werden.
Haben Sie spezielle Fragen zum Thema KI-Sichtbarkeit oder benötigen Sie Unterstützung bei der Umsetzung ihrer SEO- und GEO-Strategie? Schreiben Sie mir oder rufen Sie an für ein unverbindliches Gespräch.