Marketing  Hotellerie  Kommunikation  Künstliche Intelligenz 

Erstellt: 02.02.2026
 Karin Stefanie Niederer

Karin Stefanie Niederer

Managing Partner

Villach & Wien, Österreich

karin.niederer@kohl-partner.at+43 4242 21123+43 664 46 02 777Zum Autor

PR im Zeitalter von KI

„Was kann und soll PR heute leisten?“ „Wozu benötige ich in Zeiten von KI überhaupt noch Pressetexte?“ „Ist PR überhaupt noch zeitgemäß, wenn ChatGPT & Co Texte schreiben?“

Diese und viele weitere Fragen bekomme ich als Marketing-Beraterin von meinen Kunden immer öfter gestellt. Aus diesem Grund habe ich mich mit einer PR-Expertin aus München ausgetauscht.

© Pressegroup München, Mag. Barbara Angerer-Winterstetter

Das Gespräch mit der Inhaberin & Geschäftsführerin einer auf Tourismus spezialisierten PR-Agentur fand in München statt.

Ein Gespräch über Imageaufbau, Buchungswirkung und digitale Auffindbarkeit.

Gerade in einer Zeit, in der sich die Medien einerseits wandeln und wir andererseits mit Medien-Infos überflutet werden, stellt sich die Frage, ob PR als Teil des Gesamtmarketings nach wie vor sinnvoll ist für Hotels und Regionen. Das Fazit aus dem Interview lautet: Ja!

Warum PR auch anno 2026 nicht weg zu denken ist, fragt Karin Niederer, Managing Partnerin bei Kohl > Partner, Barbara Angerer-Winterstetter, die seit über 20 Jahren mit Ihrer PR-Agentur pressegroup.com im DACH-Raum für Hotels und Regionen maßgeschneidert arbeitet, bei München verortet ist und selbst aus dem Journalismus kommt.

Karin Niederer: „Zum Beginn eine sehr allgemeine Frage: Warum überhaupt PR?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Eine strategisch sinnvolle Pressearbeit kann gerade in einem wettbewerbsintensiven Markt helfen, mit einer klaren Positionierung Aufmerksamkeit zu erregen und das Image eines Hotels oder einer Destination zu prägen. Denn mit authentischem Storytelling kann man in der heutigen Flut von Medienberichten nicht nur auffallen, sondern als Hotel bzw. Region auch ernstgenommen werden. Die Beschreibungen echter Erlebnisse geben oft sogar Orientierungshilfen für den Gast.“

Karin Niederer: „Das heißt, das Ziel von PR ist vorrangig der Imageaufbau?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Für die meisten steht das heute im Vordergrund. Allerdings wünschen sich viele Kunden zudem eine direkte Buchungswirkung, um von Buchungsplattformen und Drittanbietern unabhängiger zu werden. In der PR haben wir dafür unterschiedliche „Werkzeuge“ in der Hand. Für den Imageaufbau benötigen wir gute Themen und Medienbesuche im Haus oder der Region. Für die Verkaufswirkung nutzen wir gerne Medienkooperationen – das sind (große) Veröffentlichungen gegen Gutschein in passenden Medien. Ein Mittel, mit dem wir auch buchungsschwache Zeiten anschieben können.“

Karin Nieder: „Wie wählt man aus, wo diese Berichte erscheinen?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Die Basis jeder PR-Arbeit ist, die Gästestruktur des Kunden ganz genau zu kennen. Tut man das nicht, läuft jede PR mit großen Streuverlusten letztlich ins Leere. Wir gehen die Gästestruktur mit unseren Kunden zu Beginn der Zusammenarbeit im Detail durch. Da wir mit vielen Kunden langjährig arbeiten, justieren wir zwischendurch immer nach. Aus welchen Ländern kommen die Gäste, aus welchen Regionen? Und wo gibt es eventuell neues Potential, das bislang nicht berücksichtigt wurde? Aber auch: Warum kommen die Gäste? Was ist der Buchungsgrund? Je mehr wir darüber wissen, desto zielgenauer können wir die Medien auswählen.“

Karin Niederer: „Wie sollte dann ein guter Medienmix anno 2026 aussehen?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Ein moderner Medienmix heute darf sehr vielfältig sein, um die verschiedensten Zielgruppen anzusprechen. Los geht’s immer noch bei den Printmedien, etwa bei den Tageszeitungen, dazu kommen natürlich gute Online-Magazine, zudem ausgewählte Podcasts, mit denen man inhaltlich sehr gut zusammenarbeiten kann. Zum Beispiel, wenn es um Medical Wellness-Themen geht. Und selbstverständlich gehören heute ausgewählte Influencer:innen in jeden Medienmix.“

Karin Niederer: „Wie startet man die Influencer-PR und wie findet man die richtigen Influencer?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Gezielte Social Media-PR soll Reisende über vertrauenswürdige Stimmen inspirieren. Mit Stories wie mit Blogposts. Da Influencer Relations strategische Partnerschaften sind, um spezifische Zielgruppen über authentische Inhalte zu erreichen, ist die gemeinsame Auswahl mit dem Kunden unerlässlich. Nicht allein die Reichweite macht dabei den Erfolg, sondern der thematische Fokus. Sind Themenaffinität und die Zielgruppenüberlappung bestätigt, schauen wir noch genauer hin und bewerten Contentgestaltung, Mediakit, Insights etc. Danach kommt dann die Verhandlung von Konditionen, die gemeinsame Entwicklung von Content-Ideen und das exakte Briefing.“

Karin Niederer: „Und wie bekommt man „klassische“ Journalisten zu einem Pressebesuch in einem Hotel oder einer Region?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Dazu braucht man vor allem eines: gute Themen und Pressetexte, die Erlebnisse versprechen und möglichst wenig „Werbegeruch“ verbreiten. Mit dem sachlich-informativen Pressetext von früher kommt man heute allerdings nicht mehr weit. Schon damals, als ich noch selbst in der Redaktion saß, habe ich mir angesichts von immer gleichen, einfallslosen Presseeinladungen gedacht: Wenn mir die Agentur bzw. das Hotel oder die Region keinen Grund, kein tolles Thema, kein spannendes Programm gibt, kann ich im Nachhinein nicht berichten und bleibe lieber zuhause.“

Karin Niederer: „Wie findet man solche Themen, die den Medien gefallen?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Das ist unsere tägliche Herausforderung in der Pressearbeit und der Punkt, an dem wir die Mithilfe der Kund:innen brauchen. Denn auch wenn wir wissen, was gerade „angesagt“ ist und immer wieder Ideen geben, muss ein Betrieb oder eine Region selbst ein Thema als passend empfinden und sich in ihm wohlfühlen. Im Bereich der Wellness haben wir sogar schon mit Kunden gemeinsam Wellness-Formen entwickelt, die dann medial Furore gemacht haben. Natürlich gibt es Zeiten, in denen unsere vielen Stammkunden mal keine News, keine Themen haben und keine Zeit, sich darum zu kümmern. Dann finden wir mit dem Blick von außen und der Abstimmung nach innen einen inhaltlichen Ansatzpunkt.“

Karin Niederer: „Warum macht man eigentlich einen so großen Aufwand, um journalistische Besuche zu bekommen? Und wieso überlässt man die Auffindbarkeit seines Hotels oder seiner Region nicht einfach der KI?“

Barbara Angerer-Winterstetter: „Aus diesen Besuchen – seien sie nun zum individuellen Termin oder im Rahmen einer kleinen Pressereise, aber immer mit gut gestalteten Programmen – entstehen die schönsten und wertvollsten Veröffentlichungen. Sie transportieren echte Erlebnisse im eigenen Stil der Recherchierenden. Sie sind glaubwürdig. Und das übrigens nicht nur für Leser, sondern auch für die KI, die bevorzugt vertrauenswürdige Medieninhalte in relevanten Medien als Quelle nutzt. Das ist ein meist unterschätzter Faktor. Gute, authentische Inhalte sind heutzutage nicht nur für Journalisten wichtig, sondern auch für die Auffindbarkeit in KI-Systemen. Ergo unterstützen solche Veröffentlichungen zusätzlich die digitale Auffindbarkeit des Hotels bzw. der Region. Natürlich flankiert durch andere Maßnahmen des Online- & Offline-Marketings. Das ist heute ein wertvoller Zusatz-Nutzen der PR zum Imageaufbau und der Verkaufswirkung.“

Karin Niederer: „Herzlichen Dank für die spannenden Insights aus Sicht einer PR-Agentur“.

Barbara Angerer-Winterstetter: „Sehr gerne und allen Hotels und Regionen viel Erfolg bei ihrer PR-Arbeit!“

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